Versöhnung ganz praktisch

Über Versöhnung sprechen ist oft schon nicht leicht, aber Versöhnung wirklich leben ist oft sehr anspruchsvoll!

Wir interviewn verschiedenste Personen, um mit ihnen darüber zu reden, wie Versöhnung aus ihrer ganz persönlichen Sicht aussieht. Unser erster Interviewpartner ist Prof. Dr. Reinhard Schramm, der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Thüringens.

Prof. Dr. Schramm ist nicht nur wegen seiner langjährigen Tätigkeit an der TU Ilmenau bekannt, sondern heute vor allem durch sein Wirken gegen Antisemitismus und für gegenseitige Versöhnung und den interreligiösen Dialog. Er wurde 1942 in Weißenfels als Sohn einer jüdischen Mutter und eines christlichen Vaters geboren. Er überlebte die restlichen bedrohlichen Monate des II. Weltkrieges mit seiner Mutter in einem Versteck, um der Deportation und Ermordung zu entgehen und ist damit einer der wenigen heute noch Überlebenden des Holocaust.

Nur er und seine Mutter überlebten den Holocaust. Alle anderen jüdischen Mitglieder der Familie wurden während des Holocaust in den verschiedensten Konzentrationslager quer durch das gesamte Deutsche Reich umgebracht. Trotz dieser schrecklichen Erfahrungen gehört Prof. Dr. Schramm heute zu den führenden Köpfen beim Thema Versöhnung. Und das sind bei ihm nicht nur Worte, sondern er ist seit sehr vielen Jahren in der Seelsorge und Begleitung rechtsextremer Strafgefangener im Freistaat aktiv tätig.